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Arbeitssicherheit · Staatliche Berufsschule 1 Kempten
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Arbeitssicherheit im Druck

Was dich im Betrieb schützt – und was du selbst dafür tun musst. Sechs Bereiche zum Ausprobieren statt zum Auswendiglernen.

Warum das kein Nebenthema ist

An Druckmaschinen arbeitest du täglich zwischen Walzen, Zylindern und schnell laufenden Bahnen. Lärmschwerhörigkeit ist unheilbar, eine eingezogene Hand irreparabel. Fast alle Unfälle in Druckereien lassen sich verhindern – wenn man weiß, worauf zu achten ist.

Grundlagen
⚖️
Modul 01
Regeln & Rechte

Berufsgenossenschaft, Unfallversicherung und das Jugendarbeitsschutzgesetz – was für dich unter 18 gilt.

Theorie
🚸
Modul 02
Schilder-Trainer

Form und Farbe verraten die Bedeutung. Erkenne die Kategorie, bevor du das Bild überhaupt deutest.

Spiel · 12 Runden
Gefahren im Betrieb
⚙️
Modul 03
Maschinen-Check

Einzugs-, Fang-, Quetsch-, Scher- oder Schneidstelle? Erkenne die Gefahrstelle am Schema.

Spiel · Gefahrstellen
🔊
Modul 04
Lärm-Labor

Schiebe den Pegel hoch und sieh, wo die Grenzwerte liegen – und ab wann es unwiederbringlich wird.

Interaktiv
Schützen und handeln
🧤
Modul 05
PSA-Ausrüster

Rüste dich für den Auftrag aus. Zu wenig ist gefährlich – aber auch zu viel ist nicht die Lösung. Bei jedem Start andere Aufträge.

Spiel · 6 aus 14 Aufträgen
🚑
Modul 06
Notfall-Trainer

Setze einen Notruf ab – die Leitstelle fragt, du antwortest. Dazu Fälle, bei denen die Reihenfolge wirklich über Leben entscheidet.

Gespräch · Reihenfolge
⚖️ Regeln & Rechte

Du bist versichert – automatisch

Wer in Deutschland einen Beruf erlernt, ist über den Betrieb bei der Berufsgenossenschaft unfallversichert. Passiert etwas im Betrieb, in der Berufsschule oder auf dem Weg dorthin, zahlt nicht die Krankenkasse, sondern die Berufsgenossenschaft – Heilbehandlung inklusive.

Versichert sind
Was das heißt
Arbeitsunfälle
alles, was bei der Arbeit passiert
Wegeunfälle
auf dem Weg zur Arbeit oder zur Berufsschule
Berufskrankheiten
z. B. Lärmschwerhörigkeit oder Hauterkrankungen

Wer zahlt?

Die Beiträge zur Berufsgenossenschaft trägt allein der Arbeitgeber – anders als bei Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Von deinem Lohn geht dafür nichts ab.

Was die Berufsgenossenschaft tut

Ihre Aufgabe ist es, Arbeitsunfälle zu vermeiden und Berufskrankheiten zu verhindern. Dafür erlässt sie Unfallverhütungsvorschriften und ergänzt sie durch Sicherheitsregeln, Informationen und Merkblätter. Sie berät außerdem Betriebe und bildet Ersthelfer aus.

Jugendarbeitsschutzgesetz – für alle unter 18

Es regelt Arbeits- und Pausenzeiten, schreibt ärztliche Untersuchungen vor und legt fest, welche Tätigkeiten für Jugendliche ungeeignet sind.

Regelung
Was gilt
Arbeitszeit
höchstens 8 Stunden am Tag, 40 Stunden in der Woche
Schichtbetrieb
höchstens 10 Stunden einschließlich Pausen
Uhrzeit
nur zwischen 6 und 20 Uhr; über 16 Jahre im Schichtbetrieb bis 23 Uhr
Wochenende
nicht an Samstagen, Sonn- und Feiertagen (mit Ausnahmen)
Pausen
4,5 bis 6 Stunden → 30 Minuten · über 6 Stunden → 60 Minuten
Verboten
Akkordarbeit und Arbeiten mit hoher Unfallgefahr oder Gesundheitsgefährdung – große Kälte, Hitze, Nässe, Lärm, Gefahrstoffe

Ohne Untersuchung kein Start

Kein Ausbildungsbeginn unter 18 ohne Erstuntersuchung – sie darf höchstens 14 Monate zurückliegen. Die Nachuntersuchung ist spätestens ein Jahr nach Arbeitsaufnahme fällig. Ohne die Bescheinigung darfst du nicht weiterbeschäftigt und nicht zur Zwischenprüfung zugelassen werden. Beide Untersuchungen sind für dich und den Betrieb kostenfrei.

Wer ist verantwortlich?

Die Verantwortung für Sicherheit und Gesundheitsschutz trägt der Betrieb. Er muss den Ablauf gefahrlos organisieren, Gefährdungen an allen Arbeitsplätzen ermitteln, Mängel beseitigen, Anweisungen für sicheres Verhalten geben und auf deren Einhaltung achten.

Deine Pflicht: Die bereitgestellte Schutzausrüstung musst du benutzen.

🚸 Schilder-Trainer

Form und Farbe reichen schon

Nach der Arbeitsstättenregel ASR A1.3 und der DIN EN ISO 7010 ist jedes Sicherheitszeichen allein über Form und Farbe einer Kategorie zugeordnet. Du kannst also die Art des Zeichens bestimmen, ohne das Bildzeichen zu kennen – und genau das übst du hier.

Farbe
Bedeutung
Beispiel
Rot
Verbot · Halt · Brandschutz
Rauchen verboten, Feuerlöscher
Gelb
Warnung · Vorsicht, mögliche Gefahr
Warnung vor elektrischer Spannung
Grün
Gefahrlosigkeit · Rettung · Erste Hilfe
Notausgang, Erste Hilfe
Blau
Gebot · das musst du tun
Gehörschutz benutzen
Form
Welche Zeichen haben sie
Rund
Gebots- und Verbotszeichen
Dreieck, Spitze oben
immer ein Warnzeichen
Quadrat
Rettungs- und Brandschutzzeichen
Rechteck
Rettungs-, Hinweis- oder Zusatzzeichen

Merksatz

Rot verbietet, Blau befiehlt, Gelb warnt, Grün rettet.

Und der Trick beim Rot: Ist es rund mit Schrägbalken, ist es ein Verbot. Ist es quadratisch ohne Balken, geht es um Brandschutz.

Was die Norm genau vorschreibt

Der Schrägbalken des Verbotszeichens läuft von links oben nach rechts unten, im Winkel von genau 45° zur Waagerechten.

Die Farben sind als RAL-Töne festgelegt: Signalrot RAL 3001, Signalgelb RAL 1003, Signalgrün RAL 6032, Signalblau RAL 5005, dazu Signalweiß RAL 9003 und Signalschwarz RAL 9004.

Zu den Bildzeichen

Die Bildzeichen selbst sind in der DIN EN ISO 7010 festgelegt und urheberrechtlich geschützt – sie werden hier deshalb nicht abgebildet. Für die Zuordnung brauchst du sie auch nicht: Form und Farbe genügen. Die Originalzeichen findest du im Betrieb, im Infoblatt der Berufsgenossenschaft und im Foliensatz der DGUV.

⚙️ Maschinen-Check

GS oder CE – was sagt das aus?

GS-Zeichen: Eine unabhängige Prüfstelle hat die Maschine begutachtet und für sicher befunden.
CE-Zeichen: Der Hersteller selbst erklärt, die europäische Maschinenrichtlinie eingehalten zu haben – geprüft hat das niemand.

Damit ist das GS-Zeichen die verlässlichere Aussage.

Wo es an Druckmaschinen gefährlich wird

Besonders häufig an Zahn- und Kettenrädern, Keilriemen, Förderbändern, Speichenrädern, Wellen und Wellenenden, Walzen und Zylindern.

Grundregeln an laufenden Maschinen

Eng anliegende Kleidung tragen · lange Haare mit Haarnetz oder Kopfschutz sichern · keinen Schmuck und keine Armbanduhr · Schutzeinrichtungen niemals außer Betrieb setzen · Entstören nur bei ausgeschalteter Maschine.

🔊 Lärm-Labor

Schieb den Pegel hoch

Lärm wird in Dezibel dB(A) gemessen. Maßgeblich ist der Tages-Lärmexpositionspegel – der Mittelwert über die 8-Stunden-Schicht. Wer dauerhaft bei 85 dB(A) arbeitet, riskiert eine Lärmschwerhörigkeit – und die ist unheilbar. Bei 105 dB(A) ist derselbe Wert schon nach knapp fünf Minuten erreicht.

Die vier Arten von Gehörschutz

Stöpsel aus Schaumstoff – vor dem Gebrauch formen, für längeres Tragen geeignet, einmalige Verwendung.
Otoplastik – individuell angepasst, für längeres Tragen, mehrfach verwendbar.
Bügelgehörschutz – fertig geformt, schließt den Gehörgang ab; gut, wenn Stöpsel schlecht vertragen werden.
Kapselgehörschutz – für häufige, aber jeweils kurze Verwendung.

🧤 PSA-Ausrüster

Persönliche Schutzausrüstung

Viele Gefährdungen lassen sich technisch oder organisatorisch lösen. Wo das nicht reicht, kommt die PSA ins Spiel. Was der Betrieb bereitstellt, musst du benutzen.

In Druckereien besonders wichtig

Handschutz bei Lösemitteln und gegen Mikroverletzungen durch scharfe Papierkanten · Gehörschutz bei Überschreitung der Lärmpegel · Sicherheitsschuhe bei Transportarbeiten.

Dazu je nach Tätigkeit: Schutzbrille bei Spritzgefahr (Siebdruck-Entschichter, Umfüllen von Lösemitteln) und Atemschutz, wenn Aerosole entstehen – etwa beim Hochdruckreiniger.

Kleidung ist auch Schutz

Erlaubt ist nur Kleidung, durch die kein Unfall entstehen kann. Weite Ärmel bedeuten Einzugsgefahr an Walzen.

🚑 Notfall-Trainer

Helfen ist Pflicht

Zur Hilfeleistung ist jeder verpflichtet. Wer nach einem Unfall wegschaut, obwohl er helfen könnte, macht sich strafbar. In jedem Betrieb muss ein ausgebildeter betrieblicher Ersthelfer anwesend sein – Ausbildung und Auffrischung alle zwei Jahre zahlt die Berufsgenossenschaft.

Notruf 112 – die fünf W

Wo ist der Notfall? · Was ist geschehen? · Wie viele Verletzte? · Welche Verletzungen? · Warten auf Rückfragen.

Das sind keine Befehle, die du herunterbeten musst – die Leitstelle fragt dich der Reihe nach. Zwei Dinge zählen wirklich: Der Ort muss zuerst klar sein, und du legst nicht auf, bevor die Leitstelle das Gespräch beendet.

Immer dokumentieren

Jede Erste-Hilfe-Leistung muss ins Verbandbuch – auch wenn kein Arzt nötig war. Notiert werden Datum, Beteiligte und Art der Verletzung. Das ist wichtig, falls später doch Folgen auftreten.