📷 FotoLab

Staatliche Berufsschule 1 Kempten · Kameratechnik interaktiv

📷 Kameratechnik verstehen

Entdecke die technischen Grundlagen der Fotografie. Schieberegler, Live-Simulationen und Quizze machen abstrakte Konzepte sichtbar – direkt am Bild.

🔆
Modul 01
Blendenöffnung

Wie die Blendenöffnung Licht und Schärfe im Bild beeinflusst.

f-Zahl · Bokeh · Lichtmenge
⏱️
Modul 02
Belichtungszeit

Bewegungsunschärfe und eingefrorene Momente durch Verschlusssteuerung.

Shutter · Bewegung · Verwacklung
🔭
Modul 03
Brennweite

Bildwinkel, Zoom-Wirkung und perspektivische Kompression mit dem Objektiv.

Weitwinkel · Tele · Bildwinkel
🌙
Modul 04
ISO-Werte

Lichtempfindlichkeit und das unvermeidliche Bildrauschen bei hohem ISO.

Empfindlichkeit · Rauschen · Nacht
🌡️
Modul 05
Weißabgleich

Farbtemperatur und wie Kameras neutrales Weiß unter verschiedenem Licht erzeugen.

Kelvin · Farbtemperatur · AWB
🎯
Modul 06
Schärfentiefe

Welcher Bereich ist scharf? Das Zusammenspiel von Blende, Brennweite und Fokus.

DOF · Hyperfokale Dist. · Bokeh
📐
Modul 07
Crop-Faktor

Wie die Sensorgröße die effektive Brennweite und den Bildwinkel beeinflusst.

Vollformat · APS-C · MFT · Mittelformat
Das Belichtungsdreieck
🔆
Blende
f/1.4–f/22
⏱️
Belichtung
1/4000–30s
🌙
ISO
100–25600

Alle drei Parameter bestimmen gemeinsam die Belichtung eines Fotos. Ändert man einen, müssen die anderen angepasst werden, um die Helligkeit konstant zu halten.

📐 CROP-FAKTOR
Modul 07

Was ist der Crop-Faktor?

Der Crop-Faktor (Formatfaktor) gibt an, um welchen Faktor ein Kamerasensor kleiner ist als das Vollformat (Kleinbildformat, 36 × 24 mm). Das Vollformat ist die Referenzgröße – alle Brennweitenangaben auf Objektiven beziehen sich darauf. Ein kleinerer Sensor nimmt nur einen Ausschnitt des Bildkreises auf, was denselben Effekt hat wie eine längere Brennweite.

📐 Crop-Faktor berechnen – Satz des Pythagoras

Der Crop-Faktor ist das Verhältnis der Diagonalen von Vollformat-Sensor zu verwendetem Sensor. Die Diagonale berechnet man mit dem Satz des Pythagoras:

Diagonale = √ (Breite² + Höhe²)
Crop-Faktor = FF-Diagonale ÷ Sensor-Diagonale

Vollformat-Diagonale (die Referenz):
√(36² + 24²) = √(1296 + 576) = √1872 ≈ 43,3 mm

Beispiel – APS-C (23,5 × 15,6 mm):
① Sensor-Diagonale = √(23,5² + 15,6²) = √(552,25 + 243,36) = √795,61 ≈ 28,2 mm
② Crop-Faktor = 43,3 ÷ 28,2 ≈ 1,53
③ 35-mm-Objektiv entspricht: 35 × 1,53 ≈ 53,6 mm KB-Äquivalent

Formeln: Brennweite umrechnen

Sobald der Crop-Faktor berechnet ist:

KB-Äquivalent = Objektivbrennweite × Crop-Faktor
Objektivbrennweite = KB-Äquivalent ÷ Crop-Faktor

Sensorgrößen im Vergleich

Die Maße der gängigen Sensorformate – berechne den Crop-Faktor selbst mit dem Satz des Pythagoras!

Format Breite × Höhe (mm) Typische Kameras
Mittelformat43,8 × 32,9Hasselblad X2D, Fujifilm GFX
Vollformat (Referenz)36 × 24Canon R5, Sony A7, Nikon Z6
APS-C (Nikon/Sony/Fuji)23,5 × 15,6Nikon Z50, Sony A6700, Fuji X-T5
APS-C (Canon)22,3 × 14,9Canon EOS R50, R10, 90D
Micro Four Thirds17,3 × 13,0OM-1 II, Panasonic G9 II
1 Zoll13,2 × 8,8Sony RX100, DJI-Drohnen

Wichtig: Was sich NICHT ändert

Die physikalische Brennweite des Objektivs ändert sich nicht – nur der genutzte Bildausschnitt ist kleiner. Auch die f-Zahl der Blende bleibt dieselbe, allerdings entspricht die Schärfentiefe bei äquivalentem Bildwinkel einer anderen f-Zahl auf Vollformat.

Interaktives Labor

Wähle einen Sensortyp und eine Objektivbrennweite. Das Labor berechnet Schritt für Schritt: ① Sensor-Diagonale (Pythagoras) → ② Crop-Faktor (43,3 ÷ Diagonale) → ③ KB-Äquivalent.

Sensor-Bildwinkel-Vergleich

Parameter einstellen

📐 Sensorformat Vollformat (36 × 24 mm)
MittelformatVollformatAPS-CMFT1"
🔭 Objektivbrennweite 50 mm
10 mm50 mm300 mm
① Sensor-Diagonale
43,3 mm
② Crop-Faktor (43,3 ÷ Diag.)
1,00
③ KB-äquivalente Brennweite
50,0 mm

Beobachtung

Das farbige Rechteck zeigt den Bildausschnitt des gewählten Sensors. Der gelbe Rahmen ist das Vollformat.

🧮 Rechenaufgaben: Crop-Faktor

Berechne den Crop-Faktor selbst über den Satz des Pythagoras: ① Sensor-Diagonale = √(B² + H²) → ② Crop-Faktor = 43,3 ÷ Diagonale → ③ KB-Äquivalent = Brennweite × CF. Die Sensormaße (Breite und Höhe) sind immer angegeben – den Crop-Faktor musst du selbst berechnen!

Angaben
Aufgabe
🔆 BLENDE
Modul 01

Was ist die Blende?

Die Blende ist eine verstellbare Öffnung im Objektiv, die bestimmt, wie viel Licht auf den Sensor fällt. Sie wird in f-Zahlen (auch Blendenzahl genannt) angegeben.

Die f-Zahl verstehen

Die f-Zahl ist das Verhältnis von Brennweite zu Öffnungsdurchmesser: f = Brennweite ÷ Öffnung. Das bedeutet: Eine kleine f-Zahl (z.B. f/1.4) = große Öffnung = viel Licht. Eine große f-Zahl (z.B. f/16) = kleine Öffnung = wenig Licht.

f/1.4 – f/2.8 (weit offen): Maximale Lichtmenge, sehr geringe Schärfentiefe, Hintergrund stark unscharf (Bokeh)
f/4 – f/8 (Mittelbereich): Guter Kompromiss aus Licht und Schärfentiefe, gute Abbildungsqualität
f/11 – f/22 (geschlossen): Große Schärfentiefe, wenig Licht, Beugungsunschärfe möglich

Blendenstufen

Jede volle Blendenstufe verdoppelt oder halbiert die Lichtmenge. Die Blendenzahlen folgen dem Faktor √2 ≈ 1,4:

f/1 → f/1.4 → f/2 → f/2.8 → f/4 → f/5.6 → f/8 → f/11 → f/16 → f/22

Bokeh

Bei weit geöffneter Blende (kleine f-Zahl) werden Lichtquellen und Konturen im Hintergrund als unscharfe Kreise oder Scheiben abgebildet. Dieser Effekt wird als Bokeh bezeichnet und ist besonders bei Porträts erwünscht.

Interaktives Labor

Verändere Blende und Belichtungszeit – und beobachte, wie das Bild heller oder dunkler wird. Jede Blendenstufe halbiert oder verdoppelt das Licht. Die Belichtungszeit kann das genau ausgleichen.

Blendenöffnung (Irisblende)
Bildwirkung – Belichtungsergebnis

Parameter einstellen

🔆 Blendenzahl (f-Zahl) f/5.6
f/1.4f/2.8f/5.6f/11f/22
⏱️ Belichtungszeit 1/250 s
1/40001/5001/1251/301/8 s
Lichtmenge Blende
100%
Empfohlene Zeit
1/250 s
Belichtung gesamt
± 0 EV

Beobachtung

Referenz: f/5.6 mit 1/250 s ergibt eine korrekte Belichtung. Öffne die Blende (kleinere f-Zahl) → Bild wird heller. Verkürze dafür die Belichtungszeit, um es wieder auszugleichen. Schließe die Blende → Bild wird dunkler, verlängere die Zeit zum Ausgleich.

🧮 Rechenaufgaben: Belichtungsreihe

Eine Einstellung ergibt eine korrekte Belichtung. Wenn du einen Parameter änderst, musst du den anderen anpassen – damit das Bild gleich hell bleibt. Berechne den fehlenden Wert.

Ausgangssituation – korrekte Belichtung
Änderung am Parameter
Deine Aufgabe
⏱️ BELICHTUNGSZEIT
Modul 02

Was ist die Belichtungszeit?

Die Belichtungszeit (Verschlusszeit) bestimmt, wie lange der Sensor Licht empfängt. Sie wird in Sekunden oder Bruchteilen davon angegeben: z.B. 1/1000 s (sehr kurz) bis 30 s (sehr lang).

Kurze Belichtungszeit (1/500 s und kürzer): Friert Bewegungen ein – ideal für Sport, Action, Tiere in Bewegung
Mittlere Belichtungszeit (1/60–1/250 s): Normaler Bereich für Schnappschüsse, Menschen stehen oder gehen
Lange Belichtungszeit (1/30 s und länger): Bewegungsunschärfe, kreative Lichtspuren, Langzeitbelichtung – Stativ erforderlich!

Faustformel für Freihand-Fotografie

Um Verwacklungen zu vermeiden, sollte die Belichtungszeit kürzer sein als: 1 / Brennweite. Bei 50 mm also mindestens 1/50 s; bei 200 mm mindestens 1/200 s.

Kreative Effekte

Lange Belichtungszeiten mit Stativ erzeugen faszinierende Effekte: fließendes Wasser, Lichtspuren von Autos, seidig weiche Wasserfälle, Sternenspuren am Nachthimmel.

Interaktives Labor

Verändere die Belichtungszeit und beobachte die Bewegungsunschärfe. Schnelle Verschlusszeiten frieren die Bewegung ein – lange Zeiten erzeugen Verwischeffekte.

Bewegungs-Simulation (Auto auf Straße)

Belichtungszeit einstellen

Verschlusszeit 1/250 s
1/20001/5001/1251/301s
Unschärfe-Effekt
wenig
Eignung
Sport / Action

Beobachtung

Bei 1/250 s wird das Fahrzeug noch weitgehend scharf abgebildet.

🔭 BRENNWEITE
Modul 03

Was ist die Brennweite?

Die Brennweite (in mm) bestimmt den Bildwinkel und die scheinbare Entfernungs­wirkung. Kurze Brennweiten = weiter Blickwinkel; lange Brennweiten = enger Blickwinkel (Teleobjektiv).

Weitwinkel (10–35 mm): Großer Bildwinkel, starke Perspektive, wirkt weiträumig – ideal für Landschaft, Architektur, Reportage
Normalobjektiv (40–60 mm): Entspricht dem natürlichen Sehen des Menschen, wirkt „neutral", für viele Genres geeignet
Porträt (85–135 mm): Geringe Verzerrung, leichte Freistellung, schmeichelhafte Perspektive für Portraits
Tele (150–600 mm+): Großer Abstand zum Motiv, Kompressionseffekt (Hintergrund wirkt näher), für Sport, Natur, Wildtiere

Crop-Faktor

Bei Kameras mit APS-C-Sensor muss die aufgedruckte Brennweite mit dem Crop-Faktor (~1,5×) multipliziert werden, um die effektive Brennweite (bezogen auf Kleinbild) zu erhalten. Aus 50 mm wird effektiv 75 mm.

Interaktives Labor

Verändere die Brennweite und beobachte, wie sich Bildausschnitt und Perspektive verändern. Der weiße Rahmen zeigt den erfassten Bildbereich.

Bildwinkel-Simulation (Stadtpanorama)

Brennweite einstellen

Brennweite 50 mm
14 mm (Weitwinkel)400 mm (Tele)
Bildwinkel (diagonal)
47°
Objektiv-Typ
Normal
Typische Anwendung
Street / Portrait

Beobachtung

50 mm entspricht dem natürlichen Sehfeld – keine Verzerrung, neutrales Bild.

🌙 ISO-WERTE
Modul 04

Was bedeutet ISO?

Der ISO-Wert beschreibt die Lichtempfindlichkeit des Sensors (früher des Films). Ein hoher ISO-Wert verstärkt das Sensorsignal – ermöglicht Aufnahmen bei schlechtem Licht, erzeugt aber Bildrauschen.

ISO 100–200 (niedrig): Sauberstes Bild, kein Rauschen, benötigt viel Licht – ideal bei Sonnenschein oder Blitz
ISO 400–1600 (mittel): Guter Allround-Bereich für drinnen und bewölkten Himmel, leichtes Rauschen
ISO 3200–25600 (hoch): Aufnahmen bei sehr wenig Licht (Konzert, Nacht), starkes Bildrauschen

ISO-Rauschen

Rauschen entsteht durch elektronische Signalverstärkung: Zufällige Helligkeits- und Farbschwankungen auf Pixelebene. Modernes "Luminanzrauschen" wirkt körnig-analog; "Chrominanzrauschen" zeigt sich als bunte Farbflecken und ist störender.

Stufen & Verhältnis

Jede volle ISO-Stufe verdoppelt die Lichtempfindlichkeit: ISO 200 ist doppelt so empfindlich wie ISO 100. Dies entspricht einer Blendenstufe oder einer Belichtungsstufenveränderung.

Interaktives Labor

Verändere den ISO-Wert und beobachte das zunehmende Bildrauschen. Hohe ISO-Werte erlauben Aufnahmen bei Nacht – aber auf Kosten der Bildqualität.

Rausch-Simulation (Nachtszene)

ISO-Wert einstellen

ISO-Wert ISO 400
ISO 100ISO 25600
Rauschintensität
leicht
Dynamikumfang
hoch

Beobachtung

ISO 400 zeigt ein leicht körniges Bild, ist aber für die meisten Situationen akzeptabel.

🌡️ WEISSABGLEICH
Modul 05

Was ist der Weißabgleich?

Der Weißabgleich (White Balance, WB) korrigiert den Farbstich, der durch unterschiedliche Lichtquellen entsteht – damit Weiß im Bild auch weiß aussieht, unabhängig von der Lichtquelle.

Farbtemperatur in Kelvin

Licht wird in Kelvin (K) gemessen. Warmweißes Licht (Kerze, Glühlampe) hat niedrige Kelvinwerte; kalt-blaues Licht (blauer Himmel, Schatten) hat hohe Kelvinwerte.

🕯️ 1800K → Kerze
💡 3200K → Glühlampe
🌅 4000K → Sonnenaufgang
☀️ 5500K → Tageslicht / Blitz
☁️ 6500K → Bewölkt
🌤️ 8000K → Schatten

Zu warmer WB (hoher K-Wert bei warmem Licht): Bild erscheint orange-rot überstrahlt
Zu kalter WB (niedriger K-Wert bei warmem Licht): Bild erscheint blau-kalt
Korrekt abgestimmt: Weiße und graue Flächen erscheinen neutral, natürliche Farben

Interaktives Labor

Stelle die Farbtemperatur ein und beobachte, wie sich der Farbstich auf das Bild auswirkt. Probiere auch die Voreinstellungen!

Weißabgleich-Simulation (Innenszene)

Farbtemperatur einstellen

Kelvin-Wert 5500 K
1800K 🕯️3200K 💡5500K ☀️7500K ☁️9000K 🌤️
Schnell-Presets
Farbcharakter
neutral
Voreinstellung
Tageslicht

Beobachtung

5500 K entspricht Tageslicht/Sonnenlicht – das Bild wirkt neutral ohne Farbstich.

🎯 SCHÄRFENTIEFE
Modul 06

Was ist Schärfentiefe?

Die Schärfentiefe (Depth of Field, DOF) beschreibt den Tiefenbereich, der im Bild noch akzeptabel scharf erscheint – vor und hinter dem Fokuspunkt.

Kleine f-Zahl (z.B. f/1.8): Geringe Schärfentiefe → Hintergrund stark unscharf, Motiv freigestellt
Große f-Zahl (z.B. f/16): Große Schärfentiefe → weiter Schärfebereich, alles von nah bis fern scharf
Lange Brennweite: Verringert die Schärfentiefe zusätzlich
Geringe Fokussdistanz: Je näher das Motiv, desto geringer die Schärfentiefe (besonders bei Makro)

Formel für Schärfentiefe

Die Schärfentiefe hängt ab von: Blende · Brennweite · Fokusabstand · Sensor-Zerstreuungskreis. Faustregel: DOF ≈ 2 × f × Z × d² / f²
(Z = Zerstreuungskreis, d = Fokusabstand, f = Brennweite)

Hyperfokale Distanz

Die hyperfokale Distanz ist die kürzeste Entfernung, bei der ein Objektiv fokussiert werden kann, sodass alles von der halben hyperfokalen Distanz bis Unendlich scharf erscheint. Sie ist ideal für Landschaftsfotografie.

Interaktives Labor

Verändere Blende, Brennweite und Abstand zum Objekt und beobachte, wie sich die Schärfentiefe verändert. Je weiter du vom Motiv entfernt bist, desto mehr Ebenen sind gleichzeitig scharf.

Schärfentiefe-Simulation (3 Ebenen)

Parameter einstellen

Blende f/2.8
f/1.4f/2.8f/5.6f/11f/22
Abstand zum Objekt 2 m
1 m (nah)20 m (weit)
Brennweite 85 mm
24mm50mm85mm200mm400mm
Schärfentiefe
gering
DOF-Bereich (ca.)
± 0.1 m
Bokeh-Intensität
stark

Beobachtung

Mit f/2.8 und 85 mm ist nur die fokussierte Person scharf, Vorder- und Hintergrund sind unscharf.